KI ist Handwerkszeug der PR –Verantwortung beim Menschen
Gemeinsame Stellungnahme von
Deutscher Public Relations Gesellschaft e. V. (DPRG)
Bundesverband der Kommunikator*innen e. V. (BdKom)
Gesellschaft der Public Relations Agenturen e. V. (GPRA)
zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim Verfassen von Redemanuskripten sowie Gast- und Namensbeiträgen
Berlin, 21.07.2026 – Jüngste Fälle, in denen politische Amtsträger Reden und Gastbeiträge mithilfe von KI erstellen ließen, haben kritische Berichterstattung sowie eine öffentliche Debatte ausgelöst. Als Berufsverbände der professionellen Kommunikation nehmen wir dazu Stellung:
Eine pauschale Ablehnung des Einsatzes von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Erstellung von Reden, Gast- und Namensbeiträgen ist aus unserer Sicht nicht zielführend. Das gilt auch für vergleichbare Texte, die persönliche Haltung, Überzeugungen oder Sichtweisen exponierter Personen transportieren.
KI ist mittlerweile Teil der professionellen Kommunikationsarbeit. Entscheidend ist nicht der Einsatz des Werkzeugs an sich, sondern die Qualität des redaktionellen Prozesses, die Verantwortung der Absenderinnen und Absender sowie die Sorgfalt, mit der Inhalte erstellt, angepasst, geprüft und freigegeben werden.
Für die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte gibt es klare Regeln, u. a. Art. 50 des EU AI Act sowie die KI-Richtlinie des Deutschen Rats für Public Relations e. V. (DRPR), der von den drei unterzeichnenden Verbänden getragen wird. Diese Regelwerke bieten einen wirksamen Rahmen für die Praxis.
Die öffentliche Diskussion geht jedoch über die Frage der Kennzeichnung hinaus. Sie berührt auch die Frage, welche fachlichen und ethischen Maßstäbe für den Einsatz von KI in der redaktionellen Arbeit gelten sollten. Gerade deshalb braucht es eine differenzierte Bewertung.
Die Erstellung solcher Texte erfolgt in der Regel in einem mehrstufigen, redaktionellen Prozess. Dabei war es schon lange vor KI gängige und akzeptierte Praxis, dass Reden von speziell ausgebildeten Personen („Redenschreiberinnen und -schreiber“) erstellt werden. Die Rednerinnen und Redner machen sich den Text zu eigen, indem sie ihn vortragen oder mit dem eigenen Namen unterzeichnen.
KI kann in diesem Prozess unterstützen, Menschen jedoch nicht ersetzen: Sie bringt keine eigene Urteilskraft, kein politisches Gespür und kein Verständnis für Anlass, Person oder Publikum ein. KI kann helfen, Gedanken zu strukturieren und Formulierungsvarianten zu erzeugen; die kommunikative Verantwortung bleibt jedoch beim Menschen.
Der Einsatz von KI stellt neue Anforderungen an die verantwortlichen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren:
- KI-Systeme generieren mitunter plausibel klingende, aber sachlich falsche Inhalte. Die Verantwortung für die Richtigkeit aller Aussagen liegt jedoch immer beim Absender. Eine gewissenhafte Faktenkontrolle ist daher unerlässlich.
- Daneben spielt der redaktionelle Prozess im Zusammenspiel von Mensch und Maschine eine wesentliche Rolle. Er stellt sicher, dass der finale Text die originären Gedanken sowie Haltung und Ton der Absenderin bzw. des Absenders widerspiegelt und dem jeweiligen Anlass angemessen ist.
- Bei Gast- und Namensbeiträgen sind die redaktionellen Grundsätze des veröffentlichenden Mediums zu beachten; der Einsatz von KI sollte im Vorfeld abgestimmt werden.
Die unterzeichnenden Verbände führen die fachliche Diskussion zu diesem Thema fort, um ihren Mitgliedern eine verlässliche Orientierung zu bieten und den Aufbau entsprechender Kompetenzen zu unterstützen.
Der verantwortungsvolle Einsatz von KI ist kein Vertrauensbruch. KI gehört mittlerweile zum Handwerkszeug der Kommunikation. Vertrauen entsteht, wenn dieses Werkzeug professionell eingesetzt wird.
Kontakte


Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V. – DPRG
Vizepräsident DPRG e.V.
Telefon: 0171/5424242
E-Mail: matthias.biebl@dprg.de

Über die GPRA
Die GPRA ist seit 1974 der Verband der führenden PR- und Kommunikationsagenturen Deutschlands. Mit strengen Aufnahmekriterien und hohen Anforderungen an ihre Mitglieder setzt sie Standards in der Kommunikationsbranche und fördert den Austausch zwischen den Mitgliedern und Meinungsbildnern. Die Mitglieder vereint der Anspruch auf Qualitätsführerschaft im Sinne ihrer Kund:innen und Mitarbeitenden. Neben der Bewährung im Markt sind die fachlichen Kompetenzen für strategische Kommunikation und Public Relations, eine hochwertige Umsetzung, strategisches Human Ressource Management und Standards im Prozessmanagement sowie in der Leistungskontrolle von zentraler Bedeutung. Die GPRA repräsentiert 31 Agenturen mit circa 3.100 Mitarbeitenden und einem Marktanteil von rund 59 Prozent.
Kommentare zu diesem Beitrag
Einen Kommentar hinzufügen