67 Studierende sind derzeit als Agentursurfer deutschlandweit im Praktikumseinsatz. Ausgewählt im Rahmen der Employer-Branding-Kampagne „Mach was draus. Komm in die Agentur!“ arbeiten sie jeweils zwei Wochen in sechs verschiedenen Agenturen. Ihr Auftrag: Freunden, Followern, Kommilitonen und der Welt berichten, wie schön das Agenturleben ist. Das „PR-Journal“ hat drei Agentursurfer zur „Halbzeit“ in Berlin befragt, wie sie ihren Schnupperpraktika-Marathon bewerten. Das Feedback der jungen Kollegen zur Branche: „Professionell, flache Hierarchien, abwechslungsreich, leicht chaotisch, flexibel und nette Mitarbeiter.“

Die Meinungen der Agentursurfer dürften ungefähr das widerspiegeln, was sich die für die Kampagne verantwortliche Gesellschaft der PR- und Kommunikationsagenturen (GPRA) sowie die Partnerverbände BVDW, CMF, FAMAB, GWA und OMG erträumt haben. Hätte die Agenturszene das Image, Top-Gehälter zu zahlen, hohe Arbeitsplatzsicherheit und besondere Familienfreundlichkeit zu bieten, es hätte nicht dieser Kampagne bedurft. Denn die Employer-Branding Kampagne der Agenturverbände soll den potenziellen Nachwuchskräften die Vielseitigkeit, spannende Projekte und die freundliche Atmosphäre am Arbeitsplatz näherbringen, die die Kommunikationsberatungen für sich reklamieren – und mit denen sie sich von Großunternehmen, Verbänden und Verwaltung abheben wollen.

Die befragten Coco Sandtner, Alan Herweg und Alina Hacopian halten das Agentursurfing jedenfalls für deutlich besser geeignet die Branche kennenzulernen, als ein mehrmonatiges Praktikum in einem Unternehmen. Die Agenturen hätten sich bisher als „sehr gut vorbereitet“ präsentiert und sich auch sonst einiges einfallen lassen, um die Studenten bei Laune zu halten und ihnen die verschiedenen Facetten des Agenturdaseins zu präsentieren.

Plan mit Aufgaben für jeden Tag

Beispiel A&B One in Berlin (siehe nebenstehendes Foto), wo alle drei Station machten. „Am ersten Arbeitstag erhielten wir einen Plan, was jeden Tag vormittags und nachmittags auf dem Programm steht. Alles war sehr professionell und strukturiert“, erzählt Coco Sandtner, die in Wien promoviert und somit eigentlich keine Agentursurferin hätte sein dürfen, weil sie nicht in Deutschland immatrikuliert ist. Mitmachen darf sie aber doch. Alle drei Agentursurfer besuchen auch nur vier beziehungsweise fünf Unternehmen und nicht wie vorgesehen sechs. Mit einer Aufwandsentschädigung von im Schnitt 200 bis 400 Euro für zwei Wochen wird man als Agentursurfer im Übrigen nicht reich.

Dafür bieten die Firmen Gespräche und Networking-Optionen. Jeden Tag gebe es beispielsweise bei A&B One den Austausch mit erfahrenen Mitarbeitern, die berichten, wie ihr Agenturalltag aussieht, so Sandtner. Konkrete Aufgaben in ihren zwei Wochen seien zum Beispiel das Texten für Kundenblogs, Sitemaps erstellen, Recherche und das Entwickeln einer Social-Media-Strategie gewesen. Die Chefs habe sie ebenfalls kennengelernt. „Sehr professionell“ findet sie die Agentur.

Bei ihren anderen Stationen Edelman.ergo Digital und hartmannvonsiebenthal, sei die Herangehensweise zwar eine andere, der Arbeitsalltag aber nicht weniger spannend gewesen. „Bei Edelman.ergo saß ich bei den Projektmanagern und habe insofern sehr viel mitbekommen“, berichtet Sandtner. Aufgaben hätten sich aus dem Tagesgeschäft ergeben, aber auch hier hätten sich Mitarbeiter inklusive des Standortleiters ausgiebig Zeit für Gespräche genommen und die Arbeitsabläufe erklärt.

Bei hartmannvonsiebenthal – als Agentur darauf spezialisiert, Marken als Erlebnis in Räumen und Stores zu inszenieren – hätte es nicht nur ein persönliches Begrüßungspaket gegeben, sondern auch eine konkrete Aufgabe für die zwei Wochen: die Entwicklung eines Konzeptes für die Kommunikation im Raum. „Wie ich das umsetzte, war mir überlassen. Ansonsten war ich ständig unterwegs. Wir haben Kunden besucht und uns zum Beispiel Stores angeschaut“, so Sandtner. Langweilig? „Nein.“ Sie ist vom Agentursurfing begeistert: „Ich finde das Konzept genial für diejenigen, die wissen wollen, wie eine Agentur funktioniert und was es für unterschiedliche Aufgaben gibt.“ Die Agenturen seien hinsichtlich Atmosphäre, Struktur und Projekten völlig unterschiedlich.

Texte, Konzepte, Claims

Auch Alan Herweg kann seinen bisherigen drei Stationen viel Positives abgewinnen. Bei fischerAppelt habe er im Advertising gearbeitet und sei von Beginn an Teil des Teams gewesen. „Ich war in Meetings dabei, konnte an Konzepten mitarbeiten, Claims und Headlines entwickeln.“ An Agenturen interessiert ihn hauptsächlich die konzeptionelle und textliche Seite. Von der Möglichkeit des Agentursurfings habe er über Facebook erfahren.

Auch bei der Agentur follow red fühlt sich Herweg, der Öffentliche Kommunikation in Jena studiert, als vollintegriertes Teammitglied. Es gebe gemeinsame Mittagessen. Alle seien ehrlich interessiert. „Ich muss keine müßigen Zuarbeiten abhaken, sondern wirke stets an etwas mit, das tatsächlich direkt verwendet wird“, erklärt er. Bei follow red habe er zum Beispiel Ideen für eine App entwickelt. An den Agenturen gefällt ihm, dass die Mitarbeiter unverkrampft miteinander umgehen. „Es wird auch keinerlei Theaterstück für mich aufgeführt, nur weil ich als Agentursurfer agiere.“

Kurze Dauer besser als mehrere Monate?

Alina Hacopian, Master-Studentin der Wirtschaftskommunikation in Berlin, hat über die studentische Marketinginitiative MTP von der Kampagne erfahren. „Ich hatte bislang keine Agenturerfahrung“, sagt sie. Für ein mehrmonatiges Praktikum in einer Agentur hätte sie sich nicht beworben, „aber so kann ich in kurzer Zeit gleich mehrere kennenlernen.“ Neben A&B One, wo sie Fragenkataloge, Slogans und Social-Media-Posts entwickelt habe, war sie bei der Content-Marketing-Agentur C3. „Dort habe ich mit einem Mitarbeiter aus dem Strategie-Team konzeptionell an Pitches gearbeitet.“ Bei muehlhausmoers sei sie viel in der Redaktion tätig gewesen. „Mit gefällt besonders, dass es kaum Hierarchien in den Agenturen gibt.“ Alle seien per „Du“. Hacopian findet es reizvoll, mit vielen Kunden zu tun und sehr unterschiedliche Aufgaben auf dem Tisch zu haben.

Können sich die drei denn vorstellen, in einer Agentur zu arbeiten? „Am liebsten als Freelancer“, sagt Coco Sandtner. „Für mich kommen Agenturen als Arbeitgeber auf jeden Fall in Frage“, erklärt Alan Herweg. Noch offen ist die Entscheidung für Alina Hacopian. Am Ende sei es auch eine Frage, was Agenturen an Gehältern bieten. Zwei der drei Agentursurfer wunderten sich im Übrigen, dass sie in den Unternehmen doch so einigen Mitarbeitern erklären mussten, dass die Kurzzeitpraktika in Zusammenhang mit der „Komm-in-die-Agentur“-Kampagne stehen und was diese überhaupt ist. Auch in der internen Kommunikation sprechen sich die Agenturen ja eigentlich Kompetenz zu.

Der Artikel ist erschienen im pr-journal.de

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